Mit der Kübler-Ross-Kurve Widerstände im Change Management überwinden

Die Kübler-Ross Kurve, auch bekannt als „Fünf-Phasen-Modell nach Kübler-Ross“ oder „Modell der Trauerbewältigung“, wurde in den 1960er Jahren von der schweizerisch-amerikanischen Psychiaterin Elisabeth Kübler-Ross entwickelt. Es war ursprünglich auf die Erfahrungen von Patienten im Endstadium einer schweren Krankheit, insbesondere im Zusammenhang mit dem Sterben, ausgerichtet.

Grafik - Kübler-Ross-Kurve

Abb. 1: Kübler-Ross-Kurve 1969 (eigene Darstellung)

1. Verleugnung

In der ersten Phase der Kübler-Ross-Kurve werden die bevorstehende Veränderung abgelehnt und die Normalität gesucht. Der Sinn der Veränderung bleibt unverstanden, der Status Quo soll beibehalten werden.

2. Zorn

Wurde erst einmal erkannt, dass die Veränderung unvermeidbar ist, folgt Zorn. Aus Unsicherheit und Angst wird gegen die Veränderung angekämpft. Oftmals entstehen an dieser Stelle Frustration, Wut und Unverständnis. Meist wird auch nach Schuldigen für die Veränderung gesucht, auf die der Zorn projektiert werden.

3. Verhandeln

Bei dieser Phase wird versucht, eine Kompromisslösung zu finden. Somit wird auf eine bessere Alternative oder auf eine mildere Form der Veränderung gehofft.

4. Depression

Die Depression beschreibt das Gefühl von Traurigkeit und Schwermut im Zusammenhand mit der Veränderung. Diese Phase ist der Tiefpunkt bei der Kübler-Ross-Kurve. Hier ist es wichtig, die Realität verarbeiten zu können und die Konsequenzen der Veränderung zu akzeptieren.

4. Akzeptanz

In der letzten Phase werden die Veränderungen und die daraus resultierende neue Realität angenommen. Der Sinn der Veränderung wird erkannt, wobei es oft einen „Aha-Moment“ gibt.

Die Kübler-Ross-Kurve auf das Change Management übertragen

Die fünf Phasen der Kübler-Ross Kurve lassen sich auf verschiedene Bereiche übertragen, in denen Menschen emotionale Phasen durchlaufen und mit schweren Verlusten oder lebensverändernden Ereignissen konfrontiert sind. Darunter fallen auch Veränderungen im beruflichen Umfeld. Die Kübler-Ross-Kurve findet demnach auch im Change Management Anwendung.

Die Kübler-Ross-Kurve bietet Berater:innen vielfältige Möglichkeiten zur Anwendung. Einerseits betont sie die Bedeutung emotionaler Reaktionen während Veränderungsprozessen und ermöglicht es Berater:innen, ein tieferes Verständnis für die Gefühle und Reaktionen der Mitarbeitenden zu entwickeln und einfühlsam darauf einzugehen.

Ein wichtiger Aspekt ist die individuelle Anpassung. Berater:innen können das Modell nutzen, um individuelle Reaktionen auf Veränderungen zu antizipieren, da es verdeutlicht, dass Menschen unterschiedlich auf solche Situationen reagieren. Dies ermöglicht eine maßgeschneiderte Unterstützung, die auf die Bedürfnisse einzelner Mitarbeiter:innen zugeschnitten ist.

Des Weiteren fungiert die Kübler-Ross-Kurve als effektives Kommunikationswerkzeug. Berater:innen können sie verwenden, um die verschiedenen Phasen der emotionalen Reaktion zu erklären und um Unternehmen bei der Entwicklung von Kommunikationsstrategien zu unterstützen. Diese Strategien sollen die Empathie und den Respekt gegenüber den Emotionen der Mitarbeitenden fördern, um so die Akzeptanz von Veränderungen zu erleichtern.

Widerstand gegen Veränderungen ist ein häufig auftretendes Phänomen, das die Kübler-Ross-Kurve ebenfalls behandelt. Berater:innen können das Modell nutzen, um Widerstand zu verstehen und Wege zu finden, wie die Akzeptanz gefördert und damit der Widerstand überwunden werden kann. Dabei kann die Kurve als Leitfaden dienen, um den Veränderungsprozess zu strukturieren und klare Strategien zu entwickeln, welche die Mitarbeitenden durch die verschiedenen Phasen der emotionalen Anpassung führen.

Ein weiterer Bereich, in dem die Kurve Hilfe bietet, betrifft die Führungskräfteentwicklung. Berater:innen können Führungskräfte schulen, um Empathie und Sensibilität für die emotionalen Reaktionen ihrer Mitarbeitenden zu entwickeln. Dies wiederum trägt dazu bei, eine bessere Führung während der Veränderungsprozesse sicherzustellen und die Mitarbeiterbindung zu stärken.

Ist die Kübler-Ross-Kurve allein ausreichend?

Schließlich wird die Anwendung der Kübler-Ross-Kurve im Change Management oft kontrovers diskutiert, da ein Veränderungsprozess in einem Unternehmen oft komplexer ist als der Trauerprozess. Das Modell betont zwar die emotionalen Reaktionen und Reifungsprozesse von Mitarbeitenden während Veränderungen, kann jedoch die Komplexität der individuellen und organisatorischen Reaktionen auf Veränderungen nicht vollständig erfassen.

Wie bei vielen Modellen im Change Management bietet die Kübler-Ross-Methode keine ausreichende Flexibilität. Es wird von einem linearen Ablauf der einzelnen Phasen ausgegangen. In der Realität kann es jedoch Rückfälle geben. Gerade bei Veränderungsprozessen werden manche Phasen auch mehrmals durchlaufen oder man wechselt zwischen Phasen hin- und her.

Darüber hinaus ist diese Methode nicht in allen Situationen anwendbar. In komplexeren Unternehmensszenarien, wie Übernahmen oder umfassenden Umstrukturierungen, kann die Kübler-Ross-Kurve eher weniger relevant sein, da es eher auf persönliche Verluste oder tiefgreifende Veränderungen ausgerichtet ist.

Trotz dieser Nachteile kann die Kübler-Ross-Kurve immer noch als hilfreiches Werkzeug zur Sensibilisierung für die emotionalen Reaktionen auf Veränderungen dienen. Besonders in Kombination mit anderen Ansätzen im Change Management.

 

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