Frauenpower im Projektmanagement

„If you want something said, ask a man; if you want something done, ask a woman.“ (Margaret Thatcher)

Anlässlich des 100-jährigen Jubiläums des Frauenwahlrechts in Deutschland möchten wir die Gleichstellung von Mann und Frau im Projektmanagement analysieren. In diesem Blogbeitrag zeigen wir die historische Entwicklung sowie aktuelle Befunde zur Jobsituation von Frauen in Beratungsfirmen auf.

Gleichstellung als historischer Wandel

Vor genau 100 Jahren, am 12.11.1918, einen Tag nach Unterzeichnung des Waffenstillstandes und somit am Ende des 1. Weltkriegs, ebnete der Rat der Volksbeauftragten mit ihrem Aufruf „An das deutsche Volk“ den Frauen in Deutschland den Weg zur Wahlberechtigung. Dabei war das eingeführte Frauenwahlrecht damals mehr als eine jahrzehntelange, von Frauenrechtlerinnen mühsam erkämpfte Angelegenheit: Dieser Moment kann als ein Grundstein für die Annäherung zur gesetzlichen Gleichberechtigung von Männern und Frauen angesehen werden.

Seither ist viel passiert: Noch vor einem halben Jahrhundert galt die Frau als Hüterin der Familie, liebevolle Hausfrau und Mutter, die bis 1977 ihren Ehemann gesetzlich vorgeschrieben um Erlaubnis fragen musste, wenn sie einer Arbeit nachgehen wollte. Und auch berufstätige Frauen wurden damals, und teilweise noch heute, mit gewissen geschlechterkonformen Tätigkeitsbereichen assoziiert: Lehrerin, Krankenschwester oder Verkäuferin galten lange Zeit als typisch weibliche Berufe. Doch was hat sich seit Einführung des Frauenwahlrechts wirklich getan? Wie gleichberechtigt sind Frauen im Privatleben und im Beruf? Und wie sieht die Gleichstellung von Mann und Frau in der Beratungsbranche aus?

Laut einer Umfrage, die in der Ausgabe des Spiegel vom 10.10.2018 veröffentlicht wurde, geben 58% der Befragten an, dass die Gleichstellung der Frau in Deutschland zu einem großen Teil verwirklicht ist. Prinzipiell, so scheint es, sind die Weichen für Gleichberechtigung gestellt: Die Hälfte der Universitäts-Absolventen sind weiblich – Tendenz steigend. Frauen sind selbstbestimmter in ihrer Familienplanung und gehen verstärkt einer Tätigkeit nach. Dem statistischen Bundesamt zufolge, hat Deutschland im europäischen Vergleich mit über 70% einen vergleichsweise hohen Anteil erwerbstätiger Frauen.

Und doch zeigen sich nach wie vor massive Unterschiede im Vergleich der Geschlechter, vor allem im Bereich des Arbeitsumfeldes: Frauen verdienen für dieselbe Arbeit durchschnittlich deutlich weniger  als ihre männlichen Kollegen und sind auch in Führungspositionen signifikant weniger vertreten. Interessant ist der Vergleich des sogenannten Gender Pay Gap auf europäischer Ebene (Bild unten). Hierbei liegt Deutschland beim unbereinigten Gender Pay Gap auf dem dritthöchsten Platz im europäischen Vergleich.

Gender Pay Gap im internationalen Vergleich Tiba Managementberatung nach statistischem Bundesamt

Eigene Darstellung nach statistischem Bundesamt, 2018

Gender Pay Gap in Unternehmensberatungen

Doch wie äußert sich der Gender Pay Gap in der Beratungsbranche? Gibt es hier nach wie vor große Gehaltsunterschiede zwischen den Geschlechtern? In einer Studie der Deutschen Gesellschaft für Projektmanagement (GPM) aus dem Jahr 2014 lag die Einkommensdifferenz der GPM-Mitglieder bei durchschnittlich 16%, wobei der Gehaltsunterschied vor allem in den obersten Hierarchieebenen verstärkt auftrat. In einer Folgestudie der GPM drei Jahre später lässt sich zumindest ein kleiner positiver Trend aufzeigen: Frauen verdienten in diesem Jahr durchschnittlich 14,1% weniger als Männer.

Besonders erstaunlich ist in diesem Kontext, dass der Gehaltsunterschied der Geschlechter in der Projektmanagement-Branche zunächst gar nicht so groß ist. Erst nach 11 Jahren Berufserfahrung zeigt sich sichtbar eine signifikante Differenz im Einkommen. Wie in der nachfolgenden Abbildung zu erkennen ist, verdienen männliche Kollegen mit mehr als 15 Jahren Erfahrung im Beruf jährlich ca. 24% mehr Geld (GPM, 2014, S.30). Es scheint also, dass die Gehaltsunterschiede zwischen Mann und Frau parallel zur Berufserfahrung und Hierarchieebene ansteigen.

Gehaltsstruktur Frauen versus Männer im Projektmanagement von der GPM

Eigene Darstellung nach GPM, 2014

Frauen im Projektmanagement

Doch wie kann es sein, dass Frauen in der Beratungsbranche nach wie vor nicht gleichberechtigt bezahlt werden? In einem Interview erklärt Dr. Andrea Hauk, Global Project Manager bei Roche, für unseren Blogbeitrag, dass Frauen im Projektmanagement „je nach Projektteam, anfänglich gefühlt gegen Windmühlen kämpfen, um sich einen „Stand“ zu erarbeiten, der es zulässt, auf Augenhöhe mit den (männlichen) Projektteammitgliedern zu kommunizieren.“ Allerdings zeigen aktuelle Entwicklungen auf, dass das Projektmanagement durchaus weiblicher zu werden scheint: Der Anteil an PM-Masterandinnen steigt rapide an, genauso wie der Anteil an weiblichen Bewerbern. In einem Interview im Jahr 2016 erklärt Dorothee Feldmüller, Mitglied im Leitungsteam „PM-Expertinnen“ der GPM: „Als wir 2007 in der GPM Deutsche Gesellschaft für Projektmanagement die Special Interest Group „PM-Expertinnen“ gegründet haben, waren 13 Prozent der Mitglieder weiblichen Geschlechts. Bis heute konnte dieser Anteil auf 19 Prozent gesteigert werden.“

Für Dr. Andrea Hauk bedeutet dies eine deutliche Verbesserung der Gleichstellung von Mann und Frau in der PM-Branche: „Während eine Pionierin gegen Windmühlen kämpft, ebnet sie automatisch den Weg für weitere Frauen im Projektteam, die dann viel eher respektiert und als ebenbürtig wahrgenommen werden und die „gleiche Sprache“ sprechen.“ Dieser Trend wirkt sich nicht nur auf eine verbesserte Gleichberechtigung aus. Auch Unternehmen agieren nachweislich erfolgreicher, wenn Frauen im Projekt arbeiten. „Entweder haben sich Frauen nach unserem Weggang der jeweiligen Sache angenommen oder das Projekt gab es nicht mehr,“ erklärte Elias Bierdel in einem Video zu den PM-Tagen 2018.

Hierbei wird eines besonders deutlich: Frauen stellen vor allem im Projektmanagement einen absoluten Mehrwert dar, gerade in Führungspositionen! Dennoch stehen Frauen immer noch vor einer Herausforderung, wenn es darum geht, eine Karriere auf Managementebene anzustreben. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist in vielen Unternehmen nicht gewährleistet und Frauen sind oftmals gewissen Vorurteilen im Beruf ausgesetzt.

Dr. Andrea Hauk hält ein Umdenken für maßgeblich: „Flexibilität (Zeit und Ort) ist hier meiner Meinung nach das Zauberwort. Wenn es gelingt, nicht nur auf dem Papier, sondern in den Köpfen der Chefs und Kollegen eine flexible Unternehmenskultur zu erreichen, schaffen es sicher viele Frauen und Männer, Familie und Arbeit in Zukunft unter einen Hut zu bekommen.“ Am Ende stehen die Unternehmen selbst in der Verantwortung, ein Umdenken bei Mitarbeitern zu fördern und zu fordern.

Für uns als Tiba ist das Geschlecht kein Indikator für die Qualität der Leistung. Die Gleichstellung von Mann und Frau hat damit in unserer Unternehmenskultur bereits einen hohen Stellenwert. Daher nehmen wir diese Thematik zum Anlass, unsere Tibanerinnen zu ihren Erlebnissen im Berufsleben zu Wort kommen zu lassen. Diese Interviews zu Gleichstellung der Geschlechter und Frauen im Projektmanagement sowie persönliche Einschätzungen der Interviewpartnerinnen zu den GPM-Studien können Sie in der nächsten Ausgabe des Tiba Magazins im Dezember 2018 detailliert nachlesen. Weiterer Themenschwerpunkt in den Interviews wird die Bildungsdiskrepanz zwischen den Geschlechtern sein. Laut GPM-Studie aus dem Jahr 2014 weisen Frauen im Projektmanagement höhere Bildungsabschlüsse auf und investieren damit einhergehend mehr Zeit in ihre Weiterbildung.

Die Business School der Tiba möchte dieses Weiterbildungs-Engagement von Frauen in allen Belangen fördern und bietet daher ein breit gefächertes Bildungsangebot zu Projektmanagement an. Wenn Sie mehr über das Weiterbildungsspektrum der Tiba Business School erfahren möchten, können Sie gerne am 04. Mai 2019 auf der kostenlosen woman&work Messe in Frankfurt an unserem Stand vorbeikommen. Auf der Messe unter dem 2019-Motto „Humanismus 4.0.“ möchte die Tiba Business School einen Einblick in die Bildungstrends von Morgen geben.

 

Frauenpower heute und morgen

Wie lassen sich abschließend all diese Erkenntnisse zusammenfassen?

„The thing women have yet to learn is nobody gives you power. You just take it.“ (Roseanne Barr, US-Schauspielerin)

Vor genau hundert Jahren war es nahezu ein Ding der Unmöglichkeit, dass Frauen als gleichberechtigt angesehen werden. Dass Frauen mittlerweile hohe Positionen bedienen, Firmen eigenständig führen und selbstbestimmt entscheiden, wie sie ihr Leben leben möchten, erschien zu jener Zeit noch schwer denkbar. Und doch hat sich seitdem viel getan – weil Frauen für ihre Rechte eingestanden sind. Daher müssen Frauen heute auch weiterhin auf Gleichstellung bestehen, um somit die letzten Ungleichheiten aus der Welt zu schaffen.

 

Autorin: Marina Mergen, Tiba Managementberatung GmbH

2 Antworten zu “Frauenpower im Projektmanagement”

  1. Susanna Mandorf sagt:

    Liebe Frau Mengen,

    Ihr Artikel spricht mir aus der Seele. Oft habe ich in der beruflichen Praxis gesehen, wie Frauen die Karriere schwer gemacht wird. Aber nicht (nur) durch Männer, sondern vor allem auch durch andere Frauen. Networking ist bei Frauen leider bis heute nicht wirklich angekommen. Aber vielleicht ändert sich das irgendwann, wenn immer wieder darauf aufmerksam gemacht wird…
    Vielen Dank für Ihren Artikel. Ich hoffe, dass er etwas bewegt.

    mfg
    Dr. S. Mandorf

  2. Marina Mergen sagt:

    Liebe Frau Mandorf,

    es freut mich zu hören, dass Ihnen der Artikel gefällt.
    Das Thema ist natürlich nicht nur am Jubiläumstag des Frauenwahlrechts relevant, sondern muss immer wieder ins Bewusstsein aller gerufen werden. Und hier stimme ich Ihnen ganz klar zu – Networking ist hierfür unermesslich wichtig.
    Wir hoffen zweifelsohne, dass der Beitrag die Mühlen weiter zum Laufen bringt und möchten auch in Zukunft nicht aufhören das Thema anzustoßen.
    In diesem Sinne: auf Frauenpower im Projektmanagement!

    LG
    Marina Mergen

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