„Das Beste der Musik steht nicht in den Noten.“ (Gustav Mahler) – Interview mit Benedikt Schwering zur Generalsanierung des Münchner Gasteig

Wenn Benedikt Schwering über seinen Job im Münchner Gasteig spricht, gerät er regelrecht ins Schwärmen. Dabei geht seine Begeisterung weit über die Bauaufgabe hinaus. Gemeinsam mit seinem Team verfolgt er vielmehr das Ziel, einen gesellschaftlich relevanten Ort für die Zukunft zu schaffen, der Begegnung, Auseinandersetzung und Austausch gleichermaßen ermöglicht.

Das 1985 in Haidhausen eröffnete Kulturzentrum bringt es jährlich auf 1.700 Veranstaltungen und zieht mehr als zwei Millionen Besucher an. Es beheimatet gleichzeitig die Münchner Philharmoniker, die Volkshochschule, die Stadtbibliothek und Teile der Hochschule für Musik und Theater. Große Teile der technischen Anlagen haben nach über 30-jähriger Laufzeit ihre Lebensdauer erreicht. Mit der Generalsanierung verspricht sich die Stadt München eine Ausrichtung des Gasteigs für die Zukunft.

Details dazu verrät Herr Schwering im Interview. Tiefere Einblicke gibt er auf den PM-Tagen 2019.

Im Zusammenhang mit der Sanierung zitieren Sie den Komponisten Gustav Mahler: Wie ist das zu verstehen?

Benedikt Schwering: Das Herz der Münchner Kultur zu bewahren und gleichzeitig etwas Neues für die – von uns allen nicht voraussehbare – Zukunft zu entwerfen, ist bei diesem Projekt die große Herausforderung. Mein Team und ich verstehen uns daher nicht nur als einfache Bauherren, sondern auch als Möglichmacher und Arrangeure, die die Stimmen der am Projekt beteiligten Institute und dem Kulturreferat für eine spielbare Partitur zusammenführen. Gustav Mahler gilt ja in der Musik als Wegbereiter der Moderne, und das Zitat ist so zu verstehen, dass es eben darauf ankommt, was man daraus macht. Beim Gasteig geht es ebenfalls um nichts Geringeres, als einen bestehenden, sozial und kulturell funktionierenden Ort für die Zukunft auszurichten, moderner zu machen und dabei den Grundton des Hauses zu behalten. Wir leben in Zeiten eines rasanten technischen, wissenschaftlichen und soziokulturellen Wandels, das gilt es bei der Sanierung zu berücksichtigen. Schon in der Vorentwurfsphase versuchen wir daher, den Rahmen möglichst groß zu machen, groß zu denken und bei unseren Planungen flexibel zu bleiben. Natürlich ist es aber auch hier oberstes Gebot, die Kosten- und Terminvorgaben einzuhalten.

Wie geben Sie der Zukunft architektonisch einen Raum?

Schwering: Seit jeher zeichnet sich der Gasteig durch einen hochkomplexen Nutzungsmix aus Kultur- und Bildungsangeboten aus. Wenn wir hier einen Ort der Zukunft schaffen möchten, dann müssen wir uns inhaltlich und räumlich-gestalterisch mit den Fragen auseinandersetzen: Wie sehen in der Zukunft Lesen und Lernen oder die Vermittlung klassischer Musik aus? Um visionär zu denken, ist ein gegenseitiges Anstiften aller Beteiligten hilfreich. Der vom Münchner Stadtrat favorisierte Entwurf des Architekturbüros Henn greift eine Idee bereits auf. Ein gläsernes Band wird Ein- und Ausblicke gewähren und die Angebote der im Gasteig ansässigen Institute einladend miteinander verbinden. Um diese Verbindung funktional und langfristig zu gestalten, ist es für uns sehr wichtig, die Nutzungsbedarfe der Institute genau abzufragen und am ausgewählten Entwurf zu schärfen. Auch die Anregungen von Zukunftsforschern fließen in die Modernisierung des Hauses ein. Ungewöhnliche Ideen sind dabei ebenso willkommen und müssen sich dann aber auch im Reality Check beweisen.

Für die Sanierungsmaßnahmen ist eine Bausumme von 410 bis 450 Millionen Euro angesetzt. Was glauben Sie, ist für das Gelingen von Großbauprojekten unverzichtbar?

Schwering: Der Umbau einer Nutzungsfläche von 88.000 Quadratmetern im Bestand ist natürlich eine Herausforderung. Gleichzeitig wird eine Interimsspielstätte zur Fortführung der Programmarbeit in Sendling entstehen. Das Kostencontrolling spielt bei diesem Projekt verständlicherweise eine zentrale Rolle. Unser interdisziplinär zusammengesetztes Team aus Architekten, Projektmanagern und Kostenplanern ist dahingehend gut aufgestellt und hat bereits in der 0-Phase zur Erarbeitung des Nutzerbedarfsprogramms die Wettbewerbsteilnehmer entsprechend eingeschworen. Was für mich aber für den Erfolg elementar ist, ist die Kommunikation. Miteinander zu sprechen und Prozesse transparent zu machen – mit den beteiligten Instituten, mit den täglichen Nutzern, mit den Auftraggebern, den Bauausführenden und nicht zu vergessen: der Öffentlichkeit – ist in meinen Augen essentiell und unverzichtbar.

 

Kurzbiografie

Benedikt Schwering studierte in Braunschweig, Rom und der an der RWTH Aachen Architektur und sammelte anschließend international Erfahrungen in der Hochhaus-, Museums-, Universitäts- und Krankenhausplanung. 2005 wechselte er zu der technischen Unternehmensberatung Turner & Townsend Project Management, wo er das „Competence Center Architecture“ aufbaute und schließlich den Bereich „Design and Management Solutions“ mit Fachsparten in den Bereichen Architektur, Bauingenieurwesen, Technische Gebäudeausrüstung und Kostenmanagement leitete. In dieser Funktion verantwortete er Projekte in Europa, im mittleren Osten und in Asien. 2008 schloss er einen Master of Arts der Fachrichtung Mediation ab. Seit 2015 ist er Bereichsleiter „Zukunft “ der Gasteig München GmbH.

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