Blended Learning mit Videotrainings – Neues Wissen, das im Gedächtnis bleibt

– Trendserie Teil 2 –

Videoformate bieten den Lernenden auf anregende Art und Weise Informationen an und vermitteln pointiert und prägnant Lerninhalte. Sie erzählen kurzweilige Geschichten aus unterschiedlichen Perspektiven, die so besser und länger im Gedächtnis verankert bleiben. Dabei unterstützt der Storytelling Ansatz den Lerntransfer und die Nachhaltigkeit bestmöglich. Ein Einsatzgebiet für Lernvideos findet sich im Blended Learning Ansatz – wie dieser in der Praxis aussehen kann, skizziert Sara Strumberger in diesem Teil der Beitragsserie.

Tiba Magazin – Ausgabe 1/2019

Gute Weiterbildung ist kein Selbstzweck, sondern muss didaktisch sinnvoll und dem Bedarf angemessen in den Unternehmenskontext eingebettet werden. Wie können Unternehmen dieses Unterfangen angehen, damit sich auch Ihre Mitarbeiter involviert fühlen?

Eine gute Lernstrategie ist hier gefragt. Gerade bei schnelllebigen Veränderungsprozessen und in global agierenden Unternehmensstrukturen muss eine nachhaltige Weiterbildung das Ziel sein. Dies gilt auch für dieses typische Beispiel: „Wir müssen unbedingt unsere 500 Mitarbeiter weltweit in unserer neuen Projektmanagement Methode schulen. Aber es ist einfach zu teuer, um alle Mitarbeiter für ein einwöchiges Training in unsere Unternehmenszentrale zu holen.“

Betrachtet man im ersten Schritt die verschiedenen Interessengruppen sowie Lernlevel innerhalb eines solchen Veränderungsprozesses, wird schnell klar, dass es einem veränderten Mindset – sprich einer neuen Lernkultur – bedarf. Eigenverantwortliche Mitarbeiter hört man des Öfteren sagen: „Auf keinen Fall kann ich mir in meiner täglichen Projektarbeit die Zeit nehmen, ein mehrtägiges Seminar zu besuchen, ich habe zu viel auf dem Tisch.

Ein guter Start für eine eigenverantwortliche Lernkultur

In dem gewählten Beispiel kann ein Blended Learning Ansatz sehr nützlich sein. Dieser integriert zudem die unterschiedlichen Zielgruppen kompetenzbasiert und gezielt in die Weiterbildung.

Blended Learning verbindet digitale und analoge Lernelemente beziehungsweise Lerneinheiten und schafft es, Online Selbstlernphasen mit praxisnahen Präsenzphasen in perfekter Weise aufeinander abzustimmen. Und den größtmöglichen Lernerfolg! Als Start einer umfangreichen Blended Learning Weiterbildungsmaßnahme mit einer breiten Zielgruppe eignen sich dabei sehr gut Lernvideos – ein Lernformat aus der digitalen Welt, das näher erläutert werden soll.

Learning by watching

Seit es Youtube gibt, ist klar, wie einfach etwas erlernbar ist, wenn man es erklärt bekommt und zusätzlich dazu eine visuelle Präsentation der Verhaltensweise betrachtet. „Learning by watching“ führt unmittelbar zum „Learning by doing“, d.h. man kann prima im Anschluss an ein Lernvideo eine praktische Übung in Präsenz andocken. Wie das innerhalb von Blended Learning aussehen kann, wird am Ende des Artikels dargestellt.

Im oben beschriebenen Beispiel ist eine heterogene Gesamtzielgruppe beschrieben – 500 Mitarbeiter sollen geschult werden. Für den Start der Trainingsmaßnahme sind daher Schnelligkeit und Verbreitungsgeschwindigkeit der Lerninhalte wichtig. Dies spricht für das Lernformat Lernvideo bzw. Videotraining, welches dabei für die erste Sensibilisierung bei dieser Zielgruppengröße sorgt.

Blended Learning Abbildung 1: Virtual Classroom – das perfekte Pendant zur Präsenz (Video)

Lernvideos bzw. Videotrainings – mit der passenden Visualisierung zum Erfolg

Es gibt diverse Varianten an Lernvideos, den Gestaltungsmöglichkeiten sind daher keine Grenzen gesetzt. Von animierten Videos mit Comicfiguren über Screencasts, die Software erklären bis hin zu moderierten Expertenvideos ist alles denkbar. Durch die richtige Auswahl können die spezifischen Lerninhalte und die Unternehmenskultur passend und für die Mitarbeiter überzeugend vermittelt werden.

Der Einsatz von Videotrainings eignet sich daher perfekt für den Aufbau von Wissensstandards und theoretischen Inputs zu Beginn einer Trainingsreihe. Im Projektmanagement können wir mit diesem Format die Grundlage für eine einheitliche Projektmanagement Sprache schaffen und theoretische Modelle mit verständlichen Bildern und Hintergrundgeschichten in den Köpfen der Trainees verankern. Gerade im oft hektischen Projektalltag kann eine modular gestaltete Videoreihe ortsunabhängig in den Arbeitstag der Mitarbeiter integriert werden und schafft somit auch die notwendige Flexibilität für eigenverantwortlichen Wissensaufbau.

Vorteile von Lernvideos auf einen Blick

  • Awareness Faktor: Sensibilisierung auch heterogener Zielgruppen, passend für viele moderne Lerntypen (siehe Beitrag der Autorin im Tiba Magazin „So schaffen Unternehmen den Spagat zwischen Individualisierung und Kostenbewusstsein„)
  • Selbstlernen: Förderung der Eigenverantwortung für Kompetenzaufbau und Stärkung einer aktiven Lernkultur
  • Digital Learning: Zeitliche und örtliche Flexibilität
  • Schnelligkeit: Hohe Verbreitungsgeschwindigkeit beim Aufbau von Standardwissen / bei Veränderungsprozessen, auch bei großen Zielgruppen
  • Nachhaltigkeit: Motivation durch modulare Videoinhalte mit praktischem Nutzen für das Arbeitsfeld

Visualisierung und Storytelling sind dabei die Zauberwörter, wobei erstere unklare Themen sichtbar macht und zweiteres dafür sorgt, dass die wichtigsten Botschaften und Inhalte beim Mitarbeiter ankommen und langfristig im Gedächtnis bleiben.

Checkliste Lernvideos Projektmanagement

Abbildung 2: Qualitätsmerkmale von Lernvideos in der Projektmanagement Qualifizierung

Ein dynamisches Konzept für Ihren Projektmanagement Lebenszyklus

Wie müssen die Lernvideos in ein Blended Learning Konzept eingebunden werden, damit es Spaß macht zu lernen und die Weiterbildung einfach in den Arbeitsalltag integriert werden kann? Mögliche Antworten liefert ein bereits mehrfach erprobtes Praxisbeispiel für Grundlagentraining für klassisches Projektmanagement (siehe Abb. 2).

Um eine hohe Nachhaltigkeit und einen Praxistransfer im Training zu erzielen, wird das gesamte Training durch eine digitale Lernbegleitplattform unterstützt. Auf ihr werden alle Inhalte und Kommunikationsmöglichkeiten für die Teilnehmer bereitgestellt. Abgebildet werden alle drei Phasen des Trainings – Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung.

Das Trainervideo erzeugt Persönlichkeitsgefühl beim Teilnehmer und führt inhaltlich in das Kurskonzept ein. Es werden die Lernziele und die weiterführenden Schritte der Selbstlernphase vorgestellt, alle sind rundum informiert.

In der nachfolgenden Online Vorbereitung, die auf die Präsenztrainings vorbereiten soll, erarbeiten sich die Teilnehmer selbstständig mittels digitaler Videotrainings die Inhalte zu den traditionellen Projektmanagement Grundlagen. Für das „Learning by watching“ werden in unserem Beispiel modular aufbereitete und animierte Lernvideos im Comic Stil mit einer Leitfigur ausgewählt, die den Projektlebenszyklus innerhalb der Storyline durchläuft. Die Videoeinheiten sind zwischen zwei und vier Minuten lang, was den flexiblen Ein- und Ausstieg unterstützt. Quizfragen runden das Ganze ab.

Das darauffolgende zweitägige Präsenztraining dient der Vertiefung und der Beantwortung von offen gebliebenen Fragen aus der Online Vorbereitung. Dabei werden die Projektmanagement Methoden entlang des Projektlebenszyklus praxisnah anhand interaktiver Übungssequenzen aufgearbeitet. Für Reflexion und „Learning by doing“ ist dabei reichlich Platz.

Um den Lerntransfer der Trainingsinhalte in die Praxis zu unterstützen, schließt die Online Nachbereitung direkt an das Präsenztraining an. Hier erhalten die Teilnehmer die Gelegenheit, offen gebliebene Fragen in einer Follow Up Virtual Classroom Session zu stellen und ein Kurzfeedback vom Trainer zu erhalten.

Blended_Learning

Abbildung 3: Ein maßgeschneidertes Blended Learning Konzept. Beispielhaftes Grundlagentraining für klassisches PM@Tiba

 

Lesetipps – weitere Fachbeiträge und Praxisbeispiele im Tiba Magazin online: