Digital Training im Projektmanagement – So schaffen Unternehmen den Spagat zwischen Individualisierung und Kostenbewusstsein

Die Art, wie wir arbeiten, hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Dass sich dies auch auf unser Lernverhalten auswirkt steht außer Frage. In ihrer neuen Beitragsserie geht Sara Strumberger der Frage nach, wie zukunftsorientierte Aus- und Weiterbildung von Mitarbeitern aussehen muss. Was ist dabei zu beachten, um einen echten Mehrwert für projektorientierte Unternehmen zu erreichen? Die eLearning Expertin stellt im ersten Teil Szenarien im Projektalltag vor und gibt einen Überblick über geeignete Lernformate. In den folgenden Beiträgen dreht sich alles um die Digitalisierung der Lernkultur in der Praxis.

Tiba Magazin – Ausgabe 2/2018

Mit dem Trend zur Individualisierung und Digitalisierung hat sich die Art, wie wir arbeiten, stark verändert: Hierarchien lösen sich auf, Mitarbeiter führen sich selbst und definieren eigenverantwortlich die Ziele, die sie erreichen wollen. Soweit der Trend. In der gelebten Realität ist dieser jedoch noch lange nicht angekommen. Der damit verbundene Wandel in der Unternehmens- und Arbeitskultur wirkt sich natürlich auch auf das Lernverhalten aus – Mitarbeiter wollen individualisiert gefördert werden und möglichst selbst bestimmen, wann und wo sie lernen. Auch die Inhalte selbst sollen individueller sein – schließlich bringt jeder sein eigenes Wissen und seine eigene Erfahrung mit.

Unternehmen sind deshalb immer mehr gefordert, vor allem bei qualitativ hochwertigen Inhalten den Spagat zwischen individuell auf den einzelnen Mitarbeiter zugeschnittenen Qualifizierungsangeboten auf der einen sowie einer kostenbewussten Umsetzung auf der anderen Seite zu schaffen. Das Schlüsselelement dabei ist die Integration des Wissens in den Projektalltag. Einen Ansatzpunkt kann Blended Learning bieten, also die Kombination von digitalen Lernformen und Präsenztrainings. Damit dieser Mix die gewünschten Ergebnisse bringt, ist es wichtig, sich mit dem Lernverhalten der Mitarbeiter auseinanderzusetzen. Denn während sich der eine gerne eine längere Auszeit nimmt, um sich intensiv mit einem Thema zu beschäftigen, bevorzugt der andere eher kleine Wissens-Portionen.

Jeder lernt anders. Sechs Szenarien

Welche Lerntypen gibt es nun und was hat das mit Qualifikationsprogrammen in Ihrem Unternehmen zu tun? Bersin by Deloitte[1] beschreibt in einer Studie sechs unterschiedliche Szenarien, in denen sich Mitarbeiter in ihrem Projektalltag in unterschiedlicher Weise wiederfinden können.

Szenario 1: Die Mitarbeiter sind „überwältigt“ von Informationen aus unterschiedlichen Quellen. E-Mails, Meetings und Telefonkonferenzen lassen wenig Zeit für die Projektarbeit – und noch weniger für das formelle Lernen.

Szenario 2: Hier eine SMS, dort eine E-Mail, da der Chat im Intranet: Der „abgelenkte Typ“ ist andauernd mit dem Kopf woanders. Dies führt zu einer kurzen Aufmerksamkeitsspanne und einer eher oberflächlichen Informationsaufnahme. An konzentriertes Lernen über mehrere Stunden ist nicht zu denken.

Szenario 3: Die Mitarbeiter werden zunehmend „ungeduldig“ in ihrem Konsum von Informationen. Dabei bemisst sich die Aufmerksamkeitsspanne nur auf wenige Minuten. Sie möchten Informationen daher möglichst schnell und passgenau für ihre Arbeitsinhalte erhalten.

Szenario 4: Viele Mitarbeiter sind mehr und mehr „ungebunden“, sie arbeiten z.B. von zuhause, direkt vor Ort beim Kunden oder auf dem Weg zur Arbeit im Zug. Diese Flexibilisierung und zunehmende Mobilität erfordert eine andere Art der Vernetzung und Informationsweitergabe.

Szenario 5: Die „kollaborative“ Auseinandersetzung mit Inhalten, also das gemeinsame Erarbeiten und „Voneinander Lernen“ wird für die Mitarbeiter immer wichtiger. Am Arbeitsplatz findet daher immer häufiger das informelle Lernen statt und anwendungsbezogenes Wissen wird aus erster Hand eingeholt, anstatt an langen Workshops teilzunehmen.

Szenario 6: Immer mehr Mitarbeiter fühlen sich „ermächtigt“, so die Studie. Im Sinn einer wachsenden Eigenverantwortung für ihre Weiterbildung stellen sie sich die Frage, weshalb bestimmte Weiterbildungen überhaupt benötigt werden und was davon für sie wirklich anwendungsrelevant ist. Sie definieren Lernmotivation über den praktischen Nutzen für ihr eigenes Arbeitsfeld.

Passende Lernformate für jeden Typ

Trotz aller Unterschiede der Lerntypen gibt es für jeden einzelnen das passende digitale Lernformat – angefangen beim Micro-Learning / Mobile-Learning, bei dem beispielsweise mittels App Lerninhalte kompakt in kleinen Einheiten vermittelt werden. Lernvideos bieten kurze und unterhaltsame Informationsinhalte auf den Punkt gebracht und dies in diversen Variationen – vom animierten Comicvideo bis hin zu moderierten Expertenvideos erzählen sie ihre Geschichten, die im Gedächtnis bleiben. Wer lieber gemeinsam mit Kollegen lernt, kann dies im Rahmen von Webinaren und Virtual Classrooms erleben. Zudem machen moderne, einfach gestaltete digitale Plattformen den Erfahrungsaustausch möglich und können den Lernprozess durch virtuelles Coaching unterstützen.

Auch beim Lernen gilt die Formel: Form follows function. Deshalb ist es häufig ratsam, verschiedene Lernformen miteinander zu verbinden. Dies erfolgt in maßgeschneiderten Blended Learning Qualifizierungsprogrammen. Diese verbinden die Vorteile und Stärken aus digitalem und interaktivem Lernen bei optimaler Ressourceneffizienz. So lernen die Teilnehmer individuell auf Ihre Lern-Bedürfnisse abgestimmt flexibel die Anforderungen ihres Projektalltags zu bewältigen.

Vorteile des digitalen Lernens

Ganz gleich, ob ein oder mehrere Lernformate genutzt werden: Digitales Lernen bringt zahlreiche Vorteile mit sich. Für den Einzelnen, aber auch für den Arbeitgeber. Die wichtigsten sind dabei:


Flexibilität: durch den Einsatz von interaktiven Lerntechnologien, individuell gestaltbaren Lernpfaden und der Ermöglichung von ortsunabhängiger Zusammenarbeit

 

Zufriedenheit

 

Zufriedenheit: durch eine gemeinsame Wissensbasis und motivierende Collaboration / Teamarbeit über Standorte hinweg

 

Effizienz

 

Effizienz: durch die Verknüpfung von Standardwissen und praxisnahem Lernen und somit der Steigerung der Anwendungssicherheit

 

 

Nachhaltigkeit: durch die kontinuierliche Messung von Lernerfolgen und durch Gewährleistung des Wissenstransfers in die Praxis

 

Anders ausgedrückt … Digitales Lernen verleiht modernen Arbeitsprozessen einen Energieschub, da es optimal in den schnelllebigen und hektischen Projektalltag integrierbar ist. Die Lernenden können selbst entscheiden, wann und wo sie lernen wollen. Sie bestimmen selbst das Lerntempo und erarbeiten sich so Basiswissen und Theorie. Die Trainingsdurchführung mit dezentralen Lerngruppen ist problemlos realisierbar. So lässt sich eine gemeinsame Wissensbasis und Projektmanagement-Sprache bei den Teilnehmern aufbauen – und dies bei kürzeren Präsenz- bzw. Anwesenheitszeiten. Die so gewonnene Zeit wird im Sinn des Unternehmens für den Transfer in die Praxis genutzt.

Autor: Sara Strumberger, Leiterin Center of Competence Digital Training, Tiba Managementberatung GmbH
Email: sara.strumberger(at)tiba.de

 

In den kommenden Ausgaben stellt die Autorin die unterschiedlichen Lernformen vor und erläutert, wie ein Blendend Learning Curriculum in der Praxis aussehen kann.

[1] Deloitte Development LLC (2014): Research Bulletin. The Latest in Enterprise Learning & Talent Management.

 

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