3. Digitale Transformation

3.1 Was wird unter digitaler Transformation verstanden?

Etventure GmbH (seit 2017 Teil der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY) hat 2019 eine Studie zum Thema digitale Transformation veröffentlicht. Im Rahmen dieser Untersuchung hat das Marktfoschungsinstitut GfK die repräsentative Befragung unter 2.000 Großunternehmen ab 250 Millionen Euro Umsatz durchgeführt.  

Es wurde analysiert, wie hauptsächlich die digitale Transformation verstanden wird. Laut der Ergebnisse versteht die Mehrheit der Befragten (67 %) unter diesem Begriff die Digitalisierung des bestehenden Geschäftsmodells und analoger Prozesse. Lediglich 21 % der untersuchten Unternehmen haben die digitale Transformation als Entwicklung neuer digitaler Geschäftsmodelle definiert. Ein kleiner Teil der Befragten (10 %) sehen die digitale Transformation in der Vereinheitlichung oder Optimierung des IT-Systems oder der digitalen Schulung und Weiterbildung (2 %).

3.2 Was ist digitale Transformation?

Die Digitalisierung transformiert sowohl Wirtschaft als auch Gesellschaft grundlegend. Sie ist ein produktiver Zerstörer, der nach und nach jede Branche erfasst. Dadurch entstehen neue Regeln, neue Wettbewerber, andere Gewinnspannen und veränderte Wertschöpfung (Gassmann et. al., 2019)

Lindner und Leyh (2018) definieren die digitale Transformation als die exponentielle und dauerhafte Veränderung von Gesellschaft und Unternehmen auf Basis von Technologie.  

Die digitale Transformation in Unternehmen bedeutet die Umsetzung einer Digitalstrategie, die geplant, gesteuert, überwacht sowie gemessen wird. Andernfalls geschieht sie ad hoc oder nur unpräzise geplant (Kofler, 2018). Externe Kräfte, wie Erwartungen der Kund:innen und andere Stakeholder, digitale Technologie, neue Geschäftsmodelle sowie Handlungen der Wettbewerber, beeinflussen zum Teil Unternehmen und führen zu einem Transformationsbedarf innerhalb des Unternehmens.  

Der Einfluss der einwirkenden Kräfte resultiert in Produkten und Dienstleistungen mit hohem Softwareanteil, Interaktionen mit den Kunden und Kundinnen über digitale Kanäle sowie Schnittstellen zum Bilden von Wertschöpfungsnetzwerken.

Die digitale Transformation charakterisiert sich durch vier Eigenschaften wie Unausweichlichkeit, Unumkehrbarkeit, ungeheure Schnelligkeit und Unsicherheit in der Ausführung (Krcmar, S. 5, 2018). 

Die digitale Transformation ist erstens unausweichlich. Gesellschaftliche und wirtschaftliche Trends stellen Unternehmen vor großen Herausforderungen, die ohne Einsatz der digitalen Technologien nicht begegnet werden kann (Krcmar, S. 7, 2018). 

Zweitens ist die digitale Transformation unumkehrbar. Neue digitale Technologien oder neuartige Einsatzkonzepte für bereits etablierte Technologien sind in der Anfangsphase ihrer Markteinführung unter Umständen weniger leistungsfähig, im Vergleich zu den auf dem Markt dominierten Technologien oder deren Einsatzkonzepte. Mit zunehmender Reife verbessert sich das Verhältnis von Kosten und Nutzen so weit, dass neue digitale Technologien oder neuartige Einsatzkonzepte die etablierten Lösungen aus ihrer dominanten Marktstellung verdrängen. Zum Beispiel die Nutzung eines Smartphones ist für einen modernen Menschen unabdingbar (Krcmar, S. 8, 2018) 

Drittens geht die digitale Transformation ungeheuer schnell voran laut Lansti und Lakhani „Our economy is now on Moore´s law and digital transformation has become the new normal“ (S. 2, 2016). Ständig in Bewegung zu bleiben, sich dauernd neu zu erfinden ist zum Anspruch vieler etablierter Unternehmen geworden (Klein, 2017). 

Viertens ist die digitale Transformation unsicher bei aller Unausweichlichkeit. Die hohe Entwicklungsgeschwindigkeit im Bereich der digitalen Technologien und die große Dynamik in vielen Bereichen erschweren die Vorhersage, welche Unternehmen mit welchen Angeboten auf Basis welcher Technologien zukünftig erfolgreich sein werden (S. 9 Krcmar). 

„Die digitale Transformation lohnt sich nicht nur – sie ist zwingend notwendig, um Unternehmen erfolgreich in die digitale Zukunft zu führen“ (Homburg et al., 2019). 

3.3 Was ist Digitalisierung?

Digitalisierung wird als Verwendung von Daten und algorithmischen Systemen für neue oder verbesserte Prozesse sowie Produkte und Geschäftsmodelle definiert. Sie zeichnet sich durch Eigenschaften wie Virtualisierung und Vernetzung der realen Welt, das Teilen von Daten und die plattformbasierte Organisation von Wertschöpfungsketten aus. 

Es lassen sich vier Dimensionen der Digitalisierung, wie digitale Produkte, Prozesse, Vernetzung und Geschäftsmodelle, unterscheiden. 

Digitale Produkte sind nicht-physische, datenbasierte Dienste, die im Regelfall automatisiert und ohne direkte Einbindung von Menschen im Kernleistungsprozess erbracht werden. 

Digitale Prozesse bilden die datenbasierte Darstellung der Realität zur Organisation und Steuerung von Prozessen ab. Dabei werden verschiedene Reifegrade unterschieden. Wenn Unternehmen durch Bereitstellung datenbasierter Informationen die Prozesse sichtbar machen können, handelt es sich um einen niedrigen digitalen Reifegrad. Einen hohen Reifegrad können Unternehmen erst dann haben, wenn sie darüber hinaus komplette Prozesse als integrierte Datenmodelle abbilden und damit das Unternehmen steuern können. Diese ermöglicht z.B., Webshops zu betreiben, Kunden und Kundinnen zu analysieren oder Beschaffung-, Absatz- und Produktionsprozesse völlig automatisiert durchzuführen. 

Digitale Vernetzung umfasst die Verbindung einzelner Prozesse in digitalen Gesamtsystemen. Diese Verbindung kann nicht auf unternehmensinterne Prozesse beschränkt werden, sondern sich auch auf Kund:innen, Lieferant:innen und andere Akteure in der Wertschöpfung erstrecken. 

Digitale Geschäftsmodelle beziehen sich auf stark digitalisierte Kernleistungs- und Kundenprozesse, in denen Kund:innen über Prozessdaten einbezogen werden (BMWi, o.J.). 

3.4 Was ist der Unterschied zwischen Digitalisierung und digitaler Transformation?

Digitalisierung bedeutet das Umwandeln von analogen Werten in digitale Formate. Sie bezieht sich insbesondere auf die Implementierung von digitalen Technologien in aktuelle Prozesse und das bestehende Geschäftsmodell.  

Digitale Transformation stellt einen fortlaufenden, in digitalen Technologien begründeten Veränderungsprozess dar, der sich die gesamte Gesellschaft und besonders auch Unternehmen betrifft. Digitale Transformation beschreibt die erheblichen Veränderungen und Auswirkungen auf die Wirtschaft und die Gesellschaft, verursacht durch den Gebrauch von digitalen Technologien (Business Insider, 2019). Digitale Transformation beschreibt die Art und Weise, wie mit der zunehmenden Digitalisierung umgegangen wird und wie damit Lösungen für bestimmte Probleme entwickelt werden. 

3.5 Warum ist die digitale Transformation wichtig?

Die digitale Transformation bedeutet die Virtualisierung in den Technologie- und Betriebsräumen. Somit wird eine Integration der virtuellen und physischen Welt geschaffen. Die digitale Transformation bietet Automatisierungsprozesse, kognitive Technologien sowie künstliche Intelligenz. Diese ermöglichen den Unternehmen einen direkten und automatisierten Einblick in Reaktionen, Feedback und Interaktionen mit Kund:innen und Geschäftspartnerschaften (Cloud Magazin, o.J.). 

Quellenverzeichnis
  • BMWi Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz, o.J., Was ist Digitalisierung?
  • Businessinsider, 2019, Was bedeutet digitale Transformation?
  • Cloudmagazin, o.J., Digitale Transformation - so wichtig wie nie zuvor
  • Gassmann et. al. 2019, Digitale Transformation gestalten / Geschäftsmodelle, Erfolgsfaktoren, Checkliste
  • Homburg et. al., 2019, Wie digitale Transformation gelingen kann
  • Kofler, 2018, Digitale Transformation in Unternehmen / Einflusskräfte und organisatorische Rahmenbedingungen
  • Krcmar, 2018, Charakteristika digitaler Transformation
  • Lindner & Leyh, 2018, Organizations in Transformation: Agility as Consequence or Prerequisite of Digitazitaion?