Warum Intuition bei komplexen Entscheidungen ein mächtiges Tool darstellt | Dr. Francesca Mega im Exklusivbeitrag

Wir alle kennen es – das Bauchgefühl, das uns in unbekannten Situationen bereits Wege aufzeigt, während unsere Ratio noch mit der Abwägung aller Für- und Gegenargumente beschäftigt ist. Jeden Tag treffen wir zahlreiche intuitive Entscheidungen. Im beruflichen Zusammenhang sieht sich die Intuition jedoch hartnäckigen Vorurteilen gegenüber. Warum wir in einer von Disruption geprägten Arbeitswelt nicht länger auf einen integralen Bestandteil unserer emotionalen Intelligenz verzichten sollten, darüber spricht die Neurowissenschaftlerin und Begründerin von EMBODIED INTUITION Dr. Francesca Mega im Beitrag. Ausführlicher berichtet Sie in ihrem Best Practice Beitrag auf den PM-Tagen 2019.

Intuition is more powerful than intellect. – Steve Jobs

Nicht nur Apple-Begründer Steve Jobs räumte der Intuition einen hohen Stellenwert ein. Auch Albert Einstein war der Meinung: „Alles, was zählt, ist die Intuition.“ Was genau ist mit dieser mentalen Fähigkeit gemeint? Dr. Francesca Mega zitiert dazu Prof. Dr. Gerd Gigerenzer, Direktor des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung in Berlin. Demnach ist die Intuition gefühltes Wissen, das schnell ins Bewusstsein gelangt, von dem wir nicht genau wissen, wie es uns erreicht und das viele Entscheidungen unseres Lebens lenkt. „Unter Zuhilfenahme der Intuition können wir unser humanes Potenzial viel besser nutzen“, meint Francesca Mega. „Denn Intuition setzt sich aus all unseren gesammelten Erfahrungen zusammen.“ Sehr wertvoll, wenn wir in unserer VUCA-Welt unter Zeitdruck und mit hohem Komplexitätsgrad entscheiden müssen. Die Biologin und Neurowissenschaftlerin kennt aus ihrem Berufsalltag allerdings die Vorbehalte gegenüber solcher Art von Entscheidungen. „Wenn wir keine externe Erlaubnis für dieses mächtige Tool unserer adaptiven Toolbox erhalten, rationalisieren wir intuitiv gefundene Lösungen post-hoc und versuchen diese mit Zahlen und Fakten zu belegen.“

Die Intuition macht die mentale Toolbox komplett

Digitale Transformation und Disruption stehen für veränderte Prozesse und Methoden. Agiles Arbeiten und das Finden kreativer Lösungen als Voraussetzung von Innovation erfordern darüber hinaus eine Anpassung unserer inneren Haltung. „Die Frage ist, was wir als richtiges Denken ansehen oder was wir zulassen“, meint Francesca Mega. So trägt die gesamte Bandbreite unserer Lebenserfahrung, die sogenannte „tacit knowledge base“, zu unserer Intuition bei. Nicht nur berufliche, sondern auch Erfahrungen, die wir in der Freizeit machen, werden in unseren unbewussten Erfahrungsschatz aufgenommen und unterhalb der Bewusstseinsschwelle verarbeitet. Sie können schließlich an anderer Stelle Teil unserer Fähigkeit werden, intuitiv Entscheidungen zu treffen oder eine Situation zu bewerten.

In klassischen Arbeitszusammenhängen unterliegen wir häufig starken sozialen Mechanismen. Wir kategorisieren schnell und berechnen Wahrscheinlichkeiten. Ob wir dem in uns wohnenden Wissen einen Zugang gewähren, hängt zum einen von einer Einwilligung seitens der Führungsebene und zum anderen von einer entsprechenden Übung im Umgang mit unserer emotionalen Intelligenz ab. „Das aber ist die gute Nachricht“, führt Francesca Mega aus, „denn Intuition ist trainierbar, ja ich würde sogar sagen: kalibrierbar.“

Unsere Welt ist vielschichtig. Intuition mag Raum.

Wie lässt sich im Arbeitsalltag ein Intuitionstraining integrieren? Die Gründerin von Embodied Intuition hält es für wichtig, begünstigende Bedingungen zu schaffen: Langsamer zu werden, statt schneller vorangehen. Zuzuhören, statt schnelle Antworten zu geben. Loszulassen und Denkweisen zu verlernen, statt immer mehr Informationen aufzunehmen. Weg von der Kontrolle hin zur Neugier und zum spielerischen Ausprobieren, lautet ihr Ratschlag. Open awareness meditations unterstützt bei der Freisetzung kreativer Prozesse. Achtsamkeit und Körperbewusstsein sind außerdem hilfreich, um den Kontakt zum eigenen Körper und der innewohnenden Intuition zu verstärken. Mit dieser Trainingsbasis, das hat Francesca Mega in ihrer umfangreichen Forschungsarbeit nachgewiesen, gelingt es Teams, disparates Wissen zu vereinbaren und emotionale Intelligenz miteinander sprechen zu lassen. Denn: „In einer Gruppe steckt eine ganze Bandbreite mentaler Prozesse, die wir aktivieren können.“

 

Kurzbiografie

Dr. Francesca Mega ist Diplom-Biologin, Neurowissenschaftlerin & Beraterin für Adaptive Cognition, Mindset Change & Mindful Leadership. Nach ihrem PhD am Center for Integrative Neuroscience vertiefte sie als Associate Fellow der Einstein Stiftung an der Berlin School of Mind and Brain ihre Forschung zu intuitiven Entscheidungen, Emotionen und Embodiment. Mit der Gründung von EMBODIED INTUITION kombiniert Francesca Mega Forschung der kognitiven Neurowissenschaft, Philosophie und Physiologie mit mehr als 10 Jahren Erfahrung in Mindfulness und Embodiment.

Eine Antwort zu “Warum Intuition bei komplexen Entscheidungen ein mächtiges Tool darstellt | Dr. Francesca Mega im Exklusivbeitrag”

  1. Dieter Mueller sagt:

    Das was sie schreiben stimmt absolut,kommt aber bei den meisten Menschen nicht an!
    Die Denkweisen sind zu verkrustet!
    Mit freundlichen Grüßen
    Dieter Mueller

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