Virtuelle Weiterbildung nachhaltig gestalten – Eine Methodenbox

Lerninhalte werden dann nachhaltig verankert, wenn sie aktiv und selbstverantwortlich vom Lernenden bearbeitet werden. Doch Lernen funktioniert nicht nur kognitiv (vgl. Schilling, 2021). Vor allem wenn Lerninhalte mit Gefühlen verknüpft und Aha-Erlebnisse oder Erinnerungen geschaffen werden, wird der Lerninhalt im Langzeitgedächtnis gespeichert (Hofmann und Löhle, 2016). Doch wie können emotionales Lernen und eine positive Lernatmosphäre in Ihrem virtuellen Training gewährleistet werden? Der folgende Blogeintrag zeigt verschiedene Formate und Methoden, unter anderem Energizer, Icebreaker und Online Warm-ups, mit denen Sie Ihrem Training das gewisse emotionale Etwas geben können.

Zu Beginn der virtuellen Weiterbildung:

Icebreaker zum ersten Kennenlernen

Gleich in den ersten Minuten des Trainings können Kennenlernspiele eingesetzt werden. Diese kurzen Formate dienen dazu, die Teilnehmer:innen des Trainings miteinander bekannt zu machen. Außerdem können sie eine angenehme Gruppendynamik entwickeln, indem Gemeinsamkeiten entdeckt oder witzige Anekdoten geteilt werden (vgl. Schilling, 2021). Das schafft gleich zu Beginn eine positive Lernatmosphäre. Um dies zu erreichen, empfehlen wir Ihnen folgende Icebreaker:

  • Two Truths, One Lie: Die Teilnehmenden stellen sich mit drei Aussagen vor. Eine davon ist falsch. Der Rest der Gruppe muss herausfinden, welche der Aussagen nicht korrekt ist
  • Selbstbeschreibung: Die Teilnehmer:innen beschreiben sich mit 3 Adjektiven in Form von # im Chat
  • Genie in a Bottle: Wenn Du 3 Wünsche hättest, welche wären das?
  • Kreative Kristina: Alle Teilnehmer:innen schreiben ihren Vornamen und einem Adjektiv auf eine Vorlage im verwendeten Kollaborationstool und stellen sich damit vor. „Ich bin die kreative Kristina“. Der/die Nächste an der Reihe wiederholt Namen und Adjektiv der Vorgänger:in sowie aller weiteren Personen, die vorher an der Reihe gewesen sind und ergänzt mit seinem/ihrem eigenen Namen und passendem Adjektiv. In größeren Gruppen verhaspelt sich bestimmt jemand, es wird gelacht und deutlich, dass es im folgenden Training nicht nur der Inhalt, sondern auch der Spaß nicht zu kurz kommen darf (vgl. Schilling, 2021).

Online Warm-ups zur Gefühlsabfrage

In Online Trainings, in denen sich die Gruppe bereits untereinander kennt, bietet es sich an, mit kurzen Warm-ups zu starten. Folgende Formate können Sie verwenden, um herauszufinden, wie es Ihren Teilnehmer:innen geht. Fragen Sie nach oder lassen Sie die Lerner erzählen. Wenn diese merken, dass Sie sich als Trainer:in für sie interessieren, fühlen sie sich wertgeschätzt. Dieses Vertrauensverhältnis zur Trainer:in beeinflusst den Lernerfolg (vgl. Roth, 2015).

  • Emoji/GIF: Jede:r Teilnehmer:in postet einen Smiley/GIF in den Chat, um sein/ihr aktuelles Befinden auszudrücken
  • Auf Gedankenreise: Wo wärst du jetzt gerne? Warum?
  • Hashtags: Beschreibe deinen bisherigen Tag/Woche in Form von 3 Hashtags # im Chat
  • Moodmeter: Teilen Sie dieses Bild auf Ihrem Bildschirm und fordern Sie die Lerner auf, mit einem Tool (PollEV, Mentimeter) ein passendes Adjektiv auszuwählen

Online Warm-up Moodmeter

Während des Trainings:

Energizer als Siesta Ersatz

Um der (Bildschirm-)müdigkeit entgegenzuwirken und gemeinsam etwas Spaß abseits der Trainingsinhalte zu haben, können Sie folgende Energizer im Laufe des Trainings einsetzen. Energizer als aktivierende Gruppenaktivität helfen nicht nur, die physische Distanz zu überwinden, sie erzeugen auch eine positive Grundstimmung.

  • Team Tour: Die Teilnehmer:innen beschreiben ihr Arbeitsumfeld in einer Minute (HO; Büro, Wohnzimmer, Co-working). Die anderen Teilnehmenden dürfen Fragen stellen. Gerne kann auch die Kamera angemacht werden
  • Was fehlt: Jede:r macht die Kamera an, etwa eine halbe Minute lang betrachten alle die Bilder der anderen. Dann schaltet jeder die Kamera aus und verändert 3 Dinge (z. B. Halskette abnehmen, Brille aufsetzen, Frisur verändern, usw.). Danach wird die Kamera wieder eingeschalten und geraten, was sich verändert hat
  • Mülleimer: Die Lernenden zeigen einen Gegenstand, den sie schon lange wegwerfen wollten und erzählen die Geschichte dazu
  • Trainingsbingo: Verschicken Sie zu Beginn folgendes Bingo und fordern Sie die TN auf, während des Trainings gut aufzupassen und Kästchen anzukreuzen, sobald ein Satz gesagt wurde. Derjenige der zuerst in einer Reihe horizontal/vertikal drei Kästchen markiert hat, ruft Bingo und gewinnt

Energizer Trainingsbingo

Am Ende der virtuellen Weiterbildung

Kurze Check-in Fragen zur Reflexion

Diese kurzen Check-in Fragen zum Ende einer Online Sitzung können Ihr Training abrunden. Mit Hilfe von Check-in Fragen können Teilnehmenden auf die Lerninhalte zurückblicken und das virtuelle Setting mit einem positiven Gefühl verlassen. Beispiele für Reflexionsfragen könnten sein:

  • Schlagwörter, die mit dem Trainingsinhalt zu tun haben. Lassen Sie die Teilnehmer ihre Assoziationen in den Chat posten (z.B. ADKAR, Change Management, Feierabend)

Die genannten Formate können Ihnen helfen, eine positive Lernatmosphäre in Ihrem Online Training zu schaffen und damit zum nachhaltigen Lernen beizutragen. Energizer und Co. können aber kein fehlendes didaktisches Konzept ersetzen, in dem Teilnehmer:innen sich nur vom Trainierenden mit Inhalt berieseln lassen. Achten Sie darauf, dass neben einer positiven Grundstimmung, Ihre Lernenden so aktiv wie möglich sind und die Lerninhalte selbstständig erarbeiten. Auf diese Weise ermöglichen Sie nachhaltiges Lernen.

Autorin: Verena Scherl, studierte Pädagogin und Lehrerin, Referentin Digital Training bei der Tiba Managementberatung

Alle Beiträge im Überblick

Literaturverzeichnis:

Hofmann, E & Löhle, M. (2016). Erfolgreich Lernen. (Hogrefe).
Moodmeter: How am I feeling? Moodmeter – PAPERZIP (11.03.2022)
Schilling, G. (2021). 80 Spiele fürs Live-Online-Training.(managerSeminare).

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