Globalisierung im Produktgeschäft, Erfolg durch Projektmanagement | Gregor Biedermann (Fujitsu) im Interview

Mit Computern allein kann kein Hersteller mehr im Wettbewerb bestehen. Fujitsu hat daher längst den Weg zu einem service- und lösungsorientierten IT-Unternehmen eingeschlagen. Grundlage des Service- und Lösungsgeschäfts bleiben aber weiterhin die Produkte – von Tablets und Notebooks bis hin zu Mainframes. Um dieses Geschäft weiter auszubauen, optimiert Fujitsu Prozesse und Strategien und stärkt die internationale Zusammenarbeit.

» Gregor Biedermann ist bei diesem Change-Prozess einer der treibenden Akteure. Seit 2016 leitet er die global agierende Abteilung Projektmanagement und Alignment, die den Wandel als Projekt angeht. In seinem Vortrag » auf den PM-Tagen 2018 gibt er fundierte Tipps zum Aufsetzen eines globalen Change-Projekts. Einen kleinen Vorgeschmack erhalten Sie im Interview vorab.

Herr Biedermann, was bedeutet „nachhaltig erfolgreich sein“ bei einem globalen Hersteller mit 155.000 Beschäftigten?

Gregor Biedermann: Fujitsu hat die Vision einer „Human centric intelligent society“, in der Technologie zu einer langfristig nachhaltigen Entwicklung der Gesellschaft beiträgt. Nachhaltigkeit ist auch fester Bestandteil der Unternehmensstrategie von Fujitsu, bei der der Mensch im Vordergrund steht. In der Unternehmensstrategie ist die Verantwortung des Unternehmens gegenüber der Gesellschaft und der Umwelt fest verankert.

Und bezogen auf Ihr Projekt „Globalisierung im Produktgeschäft“ – was heißt hier Nachhaltigkeit?

Biedermann: Bei dem Projekt geht es darum, dass wir das Produktgeschäft langfristig ausbauen und damit eine dauerhafte, globale Basis für das Service- und Lösungsgeschäft bilden. Das wiederum ist dann die Ausgangslage für die Weiterentwicklung unserer Kundenbeziehungen in Bezug auf langfristige Markttrends, wie zum Beispiel Cloud, Big Data und Artificial Intelligence. Am Ende sollen natürlich auch unsere global und international agierenden Kunden von unserem globalen Portfolio und Serviceangebot sowie den einheitlichen Prozessen auf weltweiter Ebene profitieren.

Welche Herausforderungen haben Sie zu meistern?

Biedermann: Wenn man sich die Entwicklung der IT-Industrie über die Jahre anschaut, dann erkennt man die hohe Dynamik dieses Marktes in Bezug auf Kundenanforderungen, Produkte und technische Entwicklungen. Deshalb ist es in diesem Marktumfeld extrem wichtig, auf sich verändernde Marktbedingungen zu reagieren und den Wandel aktiv zu gestalten. Wir sehen natürlich sehr deutlich, dass sich unsere Kunden bei zunehmender Globalisierung internationaler und globaler aufstellen und dann natürlich auch von einem IT-Hersteller eine globale Produktverfügbarkeit sowie Support und Services erwarten. Ein weiteres Beispiel sind die technischen Weiterentwicklungen in unserem Marktumfeld. Denken Sie z.B. nur an Artificial Intelligence, das ist ein Thema, das sich in unserer Branche sehr stark weiterentwickelt hat. Fujitsu arbeitet aktiv an diesen Zukunftsthemen und verfolgt entsprechende Lösungsansätze für die Kunden. Der Markt ändert sich und Fujitsu will diesen Wandel aktiv mitgestalten.

Was für Qualifikationen sind nötig, um einen Wandel aktiv zu gestalten?

Biedermann: Ein ganz wesentlicher, erfolgsentscheidender Punkt ist in diesem Zusammenhang die Fähigkeit eines Unternehmens, erfolgreiche Beziehungen zu Kunden, Partnern und Lieferanten aufzubauen und wirklich langfristig zu pflegen. Auch das ist wiederum Bestandteil unserer Unternehmensstrategie. Fujitsu verfolgt hier den Ansatz der „Digital co-creation“, mit dem wir zusammen mit unseren Kunden und Partnern den Wandel in einer immer komplexer werdenden Welt aktiv gestalten wollen. Besonders wichtig finde ich auch die Fähigkeit zur Kooperation und das Arbeiten in virtuellen, global verteilten Teams. In diesem Zusammenhang spielt natürlich auch die interkulturelle Kompetenz eine große Rolle. Aus meiner Sicht sind auch Fähigkeiten wie zum Beispiel hohe Kommunikationsbereitschaft wichtig, und auch die Fähigkeit überzeugend zu präsentieren. Natürlich dürfen wir die Methodenkompetenz nicht vergessen, da wir in unserem aktuellen Setup projektbezogen arbeiten. Wir setzen hier die Prince2 Projektmanagement-Methode ein. Wichtig ist aber, die verfügbaren Projektmanagement-Werkzeuge zielgerichtet in der Praxis einzusetzen.

Warum ist der Ansatz, Change als Projekt zu sehen, besonders erfolgsversprechend?

Biedermann: Entscheidend ist die Zieldefinition, in der wir ganz klar darlegen, wo wir hinwollen, und dies auch mit den Stakeholdern schriftlich vereinbaren. Danach werden die Ziele in Solution Proposals umgesetzt und Milestones, Timelines und Deliverables definiert, evtl. Risiken identifiziert und das Projektteam etabliert. Diese Vorgehensweise versetzt uns in die Lage, alle Stakeholder mit einbeziehen zu können. Jeder kennt das Ziel, und durch regelmäßige Reportings und Kommunikation auf den verschiedenen Projektebenen schaffen wir eine hohe Transparenz in Bezug auf den Projektfortschritt. Alle Beteiligten sind dadurch immer auf dem aktuellen Stand, und der Fortschritt der Aktivitäten lässt sich dadurch auch nachverfolgen. Wenn jeder weiß: „Okay, an dem Projekt kann man Fortschritte sehen!“, wächst natürlich die Zufriedenheit, und das steigert auch die Awareness und entsprechend die Bereitschaft, an so einem Projekt mitzuarbeiten. Den Projektnutzen messen wir durch geeignete KPI’s, die wir, basierend auf den Zielen, definiert haben. All das macht das Thema Change als Projekt erfolgreich, weil Veränderungen darstellbar sind und messbare Ergebnisse vorliegen.

 

Kurzbiografie:

Gregor Biedermann verfügt über eine langjährige Erfahrung in vielen Bereichen und Funktionen der internationalen IT-Branche. Seit mehreren Jahren ist er ausschließlich in internationalen Projekten innerhalb der Fujitsu Organisation in verschiedenen Funktionen tätig. Die Aufgaben umfassten sowohl Projekte im Bereich der Restrukturierung und Prozessverbesserung als auch vertriebliche Projekte sowie ein Turnaround Programm des Produktgeschäfts in den USA. Gregor Biedermann ist PRINCE2® zertifiziert. Seit 2016 leitet er das Projektmanagement und Alignment im Rahmen der Global Product Business Initiative von Fujitsu.

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